Direkt zum Hauptbereich

Alles, was wir sind von Lara Prescott


 Dieser Roman erzählt die Entstehung des Doktor Schiwago, wofür Boris Pasternak den Nobelpreis bekommen hat. Bemerkenswerterweise spielen dabei Frauen wichtige Rollen, und sie bekommen jetzt als unbedankte Heldinnen, die zum Gelingen dieses Klassikers der Literatur beigetragen haben, ihren Stellenwert.

Dem sowjetischen Regime ist Boris Pasternak als Regimekritiker ein lästiger Zeitgenosse, und auch wegen seines Doppellebens zwischen Ehefrau und Olga lwinskaja, seiner Gelieben, ein Dorn im Auge. Um die Fertigstellung seines ,,Dr.Schiwago" zu verhindern, wird Olga verhaftet, bleibt im Verhör standhaft und verbringt unter unmenschlichen Bedingungen drei Jahre im Gulag. Weiterhin arbeitet sie nach ihrer Freilassung mit ihm zusammen an seinem neuen Roman, macht sich als Sekretärin und Managerin unentbehrlich. Immerhin ist sie darin als,,Lara" verewigt.
Der Westen bekommt Wind von seinem Werk, und ein bekannter italienischer Verleger kann Pasternak dazu überreden, sein Manuskript ins Ausland zu schmuggeln und unter größtmöglicher Geheimhaltung im Westen zu verbreiten. Pasternak wird der Nobelpreis verliehen, den er aber unter Druck der sowjetischen Machthaber nicht annimmt. Nach seinem bald darauf erfolgten Tod ist es wiederum Olga und ihre Familie, die Repressalien und Gefängniss ausgesetzt sind.

Die westlichen Helden des CIA sind wiederum Frauen, die die Arbeit machen, die sogenannten,,Stenotypistinnen" aus deren Reihen einzelne ausgewählte fiür Geheimaufträge ausgebildet werden. Ünd auch sie spielen bei der heiklen Mission der Verbreitung von ,,Dr.Schiwago" eine nicht unerhebliche Rolle. Der Einblick in dieses Agentinnen-Daseins liest sich informativ, interessant und auch berührend in seinen Einzelschicksalen; wenngleich auch seitenlastiger, als es die Geschichten um die Fakten der damaligen Sowjetzeit sind.

Immerhin liest sich dieser Roman über die im Westen geglückte Verbreitung des Weltklassikers Dr.Schiwago wie ein spannender und gut recherchierter Krimi als Teilgeschichte des Kalten Krieges.


H.R.
 Zur Bestellung 
Lara Prescott: Alles, was wir sind
Verlag: Ruetten & Loening
Eur [A] 20,60
ISBN: 978-3-352-00935-8

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Dork Diaries von Rachel Renée Russell

Dork Diaries  Nach dem Erfolg von Greg's Tagebuch, hier ein weiterer Comicroman - speziell für Mädchen:  Dork Diaries Band 1! Zielgruppe: Mädchen  ca. ab 11 Jahre, auch noch für Jugendliche ein lustiges Leseerlebnis Inhalt:  Neue Schule, neues Glück? Nikki ist ein Totalausfall in Sachen Coolness, ihr Vater ist Kammerjäger und fährt mit einem Kakerlakenmobil durch die Stadt, ihr Handy ist ihrer Meinung nach ein krasses Museumsstück und das Einzige was sie an ihrem ersten Schultag retten könnte, wäre ein brandneues IPhone. Stattdessen bekommt sie ein Tagebuch geschenkt, etwas das sie nie schreiben wollte. Gott sei Dank hat sie es getan und lässt uns an ihrem Leben teilhaben! Unsere Bewertung:  Dork Diaries ist ein  unterhaltsames Buch im Tagebuchstil geschmückt mit humorvollen Comiczeichnungen. Typische Situationen wie einige von uns sie als Kind/Teenager erlebt haben werden leicht überzogen und teils skurril dargestellt, z.B Nikki möchte nicht in die Sc

Die Europäer von Orlando Figes

Es beginnt mit der ersten internationalen Bahnfahrt am 13. Juni 1846, der Eröffnung der Bahnlinie von Paris nach Brüssel. Die 330 Kilometer können nun in zwölf Stunden zurückgelegt werden, einem Viertel der Zeit, die die Kutsche bisher brauchte.  Das ist der Startschuss zur Entwicklung und Internationalisierung des Kulturlebens in Europa bis in die 1880er Jahre. Die Verknüpfung von Kultur und den bald den Kontinent überspannenden Eisenbahnlinien macht das Buch des britischen Historikers Figes so ungewöhnlich und erhellend. Denn die damalige Revolution des Kulturmarktes mit seiner internationalen Verbreitung europäischer Musik, Literatur und Kunst ist plötzlich erklärbar. Es wird anschaulich, wie in dieser Zeit die europäische Kultur und ihr Kanon etwa an Opern, Malerei und Literatur entsteht,

Judith und Hamnet von Maggie O´Farrell

  Ein Buch über Agnes, die Frau William Shakespeares (1564-1616). Ein geschickter Schachzug: der berühmte William bleibt eher schattenhafte Randfigur.  Virtuos geschrieben entwickelt das Buch einen faszinierenden Sog. Und das, obwohl sich der Aktionsradius der handlungstragenden Agnes über den archaischen elterlichen Bauernhof, dann das Haus des hinterhältig-gewalttätigen Schwiegervaters, ein paar Gassen in Stratford-upon-Avon und den Wald dort nur einmal hinausbewegt – beim finalen London-Besuch. Es baut die Spannung auf durch eine beiläufge (Mit-)Beschreibung des Geschehens auf der Gasse, der Mitbewohner im Haus, dem Fuchs, der durch die Gassen streift, der Eule, die darüber hinweg fliegt etc..  Verdichtet wird das Geschilderte durch Agnes' eigenwillige Wahrnehmungsgaben – sie, das Naturkind, hat von ihrer früh verstorbenen Mutter das tiefe V