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Posts mit dem Label "Familiengeschichte" werden angezeigt.

Besser allein als in schlechter Gesellschaft von Adriana Altaras

  Es ist eine bewegende Tante-Nichte-Beziehung, die dieses autobiografisch erzählte Buch zum Inhalt hat: Die fast hundertjährige Tante lebt in einem Altersheim in Mantua und die Nichte ist erfolgreiche Opernregisseurin in Deutschland. Und da gerade strengste Pandemie-Regeln herrschen, sind es meist die Gespräche am Telefon, die Aufschluß über diese Beziehung geben. Die Tante liebt ihre Nichte und Adriana liebt ihre Tante. Auch in der Endstation Altersheim denkt die kreuzfidele Tante nicht daran, sich selbst aufzugeben, und hat für alle Fälle und für jede Situation immer das richtige Sprichwort bereit. Eines dieser Zitate gab diesem Buch sogar seinen Titel. Tantes Eigensinn läßt oft das Pflegepersonal im Heim Kopf stehen; und doch oder gerade deswegen wird sie besonders geliebt. Davon profitieren alle Beteiligten. „Das Leben bedeutet generell einen enormen Kra...

Vier Schwestern von Ernst Strouhal

  Die bekannteste unter den vier Schwestern Benedikt ist Friedl, die als junge Schriftstellerin unter dem Pseudonym Anna Sebastian in England einige erfolgreiche Romane schrieb. Hierzulande ist Friedl Benedikt jedoch mehr aus den autobiografischen Schriften Elias Canettis geläufig, mit dem sie eine lange Beziehung hatte. Auch ist eine der Figuren in Veza Canettis Roman "Die Schildkröten", in dem die Anschlusstage in Wien 1938 beschrieben sind, ihr nachempfunden. "Sie haben Papa verhaftet!", lässt Veza Canetti in ihrem Roman die junge Frau verzweifelt sagen. Dieser Papa ist in der Realität Ernst Benedikt, ehemaliger Chefredakteur der Neuen Freien Presse. 1938 gerät das gutbürgerliche Leben der Familie Benedikt in ihrer Villa in Wien Grinzing, Am Himmel 55, tatsächlich aus den Fugen. Die vier Schwestern Gerda, Friedl, Ilse und Susi werden in verschiedene Länder geschickt, weg aus Hitlers Großdeutschland. Die Eltern folgen ihnen nach vielen Schikanen der Nationalsozial...

Lenka Reinerová - Abschied von meiner Mutter von Anna Fodorová

  Lenka Reinerová (1916-2008) war die letzte Vertreterin der einst so bedeutsamen deutschsprachigen Literaturszene in Prag. Die Gründerin des Prager Literaturhauses ( Pražský literární dům ) hatte Max Brod gekannt und hatte die Exiljahre während des Zweiten Weltkriegs mit ihren Freunden Egon Erwin Kisch und Anna Seghers in Mexiko geteilt. Nun hat ihre Tochter, die Filmemacherin, Künstlerin und Psychotherapeutin Anna Fodorová ein Buch über ihre Mutter Lenka geschrieben. Es geht nicht nur um das Leben der bedeutenden und geachteten Schriftstellerin und um die letzten Wochen und Monate dieser hochaktiven Intellektuellen, sondern auch um das um das schöne, doch nicht spannungsfreie Verhältnis von Mutter und Tochter: "Es ist nicht einfach, mit Eltern aufzuwachsen, die Helden waren", sagt Anna zu Beginn des Buches.  Und heldenhaft war Lenkas Leben. Unbeugsam erlebte sie alle Fährnisse des 20. Jahrhunderts, die Vertreibung aus der besetzten Tschechoslowakei, die Deportation und Erm...

"Du und ich - ewig eins" von Wilfried Meichtry

  Einfühlsam und gleichzeitig sachlich, unter Verwendung von Originalzitaten aus Briefen und Tagebüchern, schildert der Schweizer Autor und Filmemacher Wilfried Meichtry das Schicksal der Geschwister Emma und Franz von Werra, die, aus einer verarmten Familie des Schweizer Adels stammend, von ihren in Not geratenen Eltern buchstäblich verkauft wurden. Ein vermögendes, aber kinderloses Paar aus Süddeutschland adoptiert 1915 das vierjährige Mädchen Emma und den einjährigen Franz. Ohne Bewusstsein über ihre tatsächliche Herkunft wachsen die beiden in Beuron auf der Schwäbischen Alb auf und entwickeln eine lebenslange intensive Bindung. Die familiäre Gemeinschaft endet in einer Katastrophe, vor allem weil die hübsche und tüchtige Emma den fortwährenden Nachstellungen des Adoptivvaters ausgesetzt ist. Schuldgefühle und religiöse Kompensierungen prägen ihr weiteres Leben. Franz hingegen lässt sich in der Wehrmacht zum Kampfpiloten ausbilden und ist unter den ersten Piloten, die am Tag na...

Eine ganze Welt von Goldie Goldbloom

  Mit 57 schwanger und noch dazu mit Zwillingen! Dabei hat Surie Eckstein bereits 10 teils erwachsene Kinder und ist auch schon Großmutter. Eingebettet in ihre große Familie und hochangesehen in der chassidischen Gemeinde von Brooklyn weiß sie plötzlich nicht, wie sie mit der Situation umgehen soll. Nicht einmal ihrem Mann, geliebt und vertraut seit Jahrzehnten, wagt sie sich anzuvertrauen. Die Hebamme Val, die seit vielen Jahren die Gemeinde betreut, bestärkt Surie und eröffnet ihr die Möglichkeit, sich außerhalb ihres Viertels im Krankenhaus zu betätigen, natürlich auch ohne Wissen der Familie, die dies nicht billigen oder verstehen würde. Surie fühlt sich sehr allein und bekommt plötzlich einen ganz anderen Blick auf die restriktiven Moralvorstellungen ihrer Gemeinde. Sie beginnt, manches, auch schmerzliches aus ihrer eigenen Familie, zu hinterfragen. Der Roman gibt einen einzigartigen Einblick in das Leben eines chassidischen Schtetls mitten in New York. Es geht u...

Bella Ciao von Raffaela Romagnola

Nicht nur Neugier treibt Giulia Masca nach Borgo di Dentro, den Ort ihrer Kindheit in Piemont zurück, den sie vor fast 50 Jahren fluchtartig verlassen hatte. Es sind auch die gemischten Gefühle, die sie beschäftigen, falls es zu einer Begegnung mit ihrer Freundin Anita und ihrem Verlobten Pietro kommen sollte. Wird sie den beiden mit Rache, Genugtuung oder Versöhnung begegnen? Niemand wusste damals, als sich Giulia heimlich nach New York einschiffte, nicht einmal ihr Verlobter, der sie mit ihrer Freundin Anita betrog, dass sie ein Kind von ihm erwartete. Nun ist Giulia eine wohlhabende Frau, die sich ihrem vergangenen Leben stellt, das von den Härten als Fabriksarbeiterin in der örtlichen Seidenspinnerei geprägt war, aber auch von der Kargheit des dörflichen Lebens und ihrer Familien. Wie dann durch die beiden Weltkriege, den Faschismus und die Partisanenkämpfe mit diesen Familien umgegangen wurde, wird authentisch und spannend erzählt. Es ist die leidvolle Geschichte von opfe...

Alligatoren von Deb Spera

Diese Familiensaga aus den Südstaaten Nordamerikas in der Zeit um 1920 nach der Sklavenbefreiung hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt wie selten bei Schmökern dieser Art. In thrillerhaft spannender, aber auch romantisch berührender Erzählweise aus der Sicht zweier Standes unterschiedlicher weißer Frauen und einer Negerin (von der Autorin bewusst so genannt) geht es noch immer um die Kluft zwischen Weiß und Schwarz, den Plantagenbesitzern und ihren ausgebeuteten Feldarbeitern und letztendlich um das damalige Rollenbild zwischen Mann und Frau. Historische Fakten und Fiktion fügen sich authentisch ineinander.  Ein kleiner Wermutstropfen ist die Lektorierung der Übersetzung aus dem Amerikanischen. Z.B. „blöken“ die Kühe auf Seite 142. Und auf Seite 185 liest man : „Er ist zwei Köpfe größer wie sie (!).... und hat zu seiner Mutter herunter geguckt. ….“, um nur einige Formfehler zu erwähnen. Trotz dieser Schönheitsfehler ist es ein guter dick...

Alle, außer mir von Francesca Melandri

Eine Familiengeschichte von ungeheurer Wucht und höchster politischer Aktualität ist der italienische Autorin Francesca Melandri mit ihrem Roman "Alle, außer mir" gelungen: jahrelang hat sie recherchiert, umso glaubwürdiger ist dieses Buch, das einem tief unter die Haut geht und sprachlich souverän geschrieben (und übersetzt) ist. Erzählt wird die Geschichte der Familie Profeti über 3 Generationen. Im Mittelpunkt Attilio Profeti: dem Glückspilz gelingt, so scheint es, alles im Leben, selbst ein Doppelleben mit Geliebter und Sohn, auf das seine Ehefrau und die 3 Kinder erst zufällig nach vielen Jahren stoßen und sich damit arrangiert haben. Doch eines Tages steht ein junger Äthiopier vor der Tür von Profetis Tochter Ilaria und behauptet, ihr Neffe zu sein. Der Vater Attilio ist inzwischen alt und schwer dement, und Ilaria versucht, gemeinsam mit ihrem Halbbruder, die Geschichte und das Schicksal des jungen Flüchtlings zu ergründen und herauszufinden, was ihr Vater wäh...

Was man von hier aus sehen kann von Mariana Leky

Selma, eine alte Westerwälderin, kann den Tod vor aus sehen. Immer, wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag je man d im Dorf. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird. Da von , was die Bewohner in den folgenden Stunden fürchten, was sie blindlings wagen, gestehen oder verschwinden lassen, erzählt Mariana Leky in ihrem Ro man . ' Was man von hier aus sehen kann' ist das Porträt eines Dorfes, in dem alles auf wundersame Weise zusammenhängt. Aber es ist vor allem ein Buch über die Liebe unter schwierigen Vorzeichen, Liebe, die scheinbar immer die ungünstigsten Bedingungen wählt. Für Luise zum Beispiel, Selmas Enkelin, gilt es viele t aus end Kilometer zu überbrücken. Denn der Man n, den sie liebt, ist zum Buddhismus konvertiert und lebt in einem Kloster in Japan ... In einem kleinen Ort im Westerwald gibt es unter den Einwohnern so manches Schrulliges und Zwischenmenschliches. Mittendrin die junge Luise, die bei ihrer Großmutter aufge...

Jakobsleiter von Ljudmila Ulitzkaja

Nach der Revolution ziehen Jakow und Marussja mit ihrer kleinen Familie nach Moskau. Während Marussja der neuen Regierung vertraut, erkennt Jakow bald die Missstände. Unter Stalin wird er nach Sibirien verbannt. Seine Frau lässt sich scheiden, auch der Sohn wendet sich von ihm ab, und seine Enkelin Nora sieht er nur einmal als Kind. Sie, die ein bewegtes Leben führen wird – Bühnenbildnerin, alleinerziehend, georgische Liebschaft – lernt ihren Großvater erst aus seinen Liebesbriefen an die Großmutter kennen. Angeregt durch den Briefwechsel ihrer eigenen Großeltern hat Ljudmila Ulitzkaja einen Roman geschrieben, der die Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert aus unmittelbarer Nähe erzählt. Beim Aufräumen der Wohnung ihrer verstorbenen Großmutter entdeckt Nora einen Weidenkorb voller Briefe und Notizbücher. Um die darin ebenfalls befindlichen Wanzen zu töten, stellt sie den Korb für einige Zeit auf den Winter-frostigen Balkon. Nach Jahrzehnten erst beschließt sie, die Papiere zu sic...

Obwohl es dir das Herz zerreisst von Jenny Downham

Als die 17 jährige Kathie ihre Großmutter Mary zum ersten Mal trifft, vergisst diese sie auch schon sofort. Die alte Dame ist nach jahrelanger Funktstille, über Nacht bei ihnen einquartiert worden, weil sie an Demenz leidet. Für Marys Tochter Caroline die reinste Katastrophe, Kathie hingegen fühlt sich mit ihrer Großmutter verbunden und beginnt ein Erinnerungsbuch zu schreiben. Die Dinge an die Mary sich erinnert, schreibt sie auf, damit sie ihr vorlesen kann, wenn sie wieder etwas vergessen hat. Doch die Reise in die Vergangenheit, bringt Dinge zum Vorschein, mit denen Kathie nicht gerechnet hätte.. Bei "Obwohl es dir das Herz zerreisst" handelt es sich um einen Familienroman, der drei Generationen umfasst und für Erwachsene sowie Jugendliche ab 16 Jahren zu empfehlen ist. Der Roman wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und nähert sich vor allem einfühlsam dem Thema Demenz. Es wird von Kathies Erwachsenwerden erzählt, von Müttern, Töchtern und von zerrissenen ...

Hessabi von Tom Appleton

Der junge Adam Hessabi wächst in den 60-er Jahren bei Bonn auf. Seine Wurzeln sind ihm unbekannt, denn die Leute, bei denen er lebt, können doch unmöglich seine wahren Eltern sein, so fremd und verrückt, wie sie ihm erscheinen. Zumindest Perser sind sie alle. Da ist der Vater: ein rätselhafter höherer Diplomat, der irgendwelchen halbmilitärischen Geschäften in Wiesbaden nachgeht. Die Mutter: eine etwas durchgeknallte, grelle Persönlichkeit, die von ihrer beinahe glanzvollen Vergangenheit schwärmt, als man "eine Beethoven-Tänzerin" aus ihr machen wollte. Der jüngere Bruder, der sich zu einem schmierigen Mafioso entwickelt. In welche politischen Kreise ist die Familie Hessabi verstrickt, und wie sind die Eltern in Deutschland durch die Nazi-Zeit gekommen? Leider kommt Adam auch mit den Lehrern nicht zurecht, zu borniert und der jüngeren Vergangenheit verhaftet sind diese. Doch was für seltsame Lieder gehen Adam immer wieder durch den Kopf? Und wieso erscheinen diese oder ä...

Eva im Haus der Geschichten von Marjaleena Lembcke

   Eva verbringt ihre Herbstferien bei ihrem Onkel Oliver, den sie zuvor noch nie gesehen hat. Onkel Oliver nimmt seine Nichte auf, da seine Schwester aus beruflichen Gründen doch nicht mit ihrer Tochter nach Mallorca fahren kann. (Evas Eltern leben getrennt.) Oliver hat keine Erfahrung mit Kindern, antwortet auf Fragen mit einer Geschichte und bietet seiner Nichte Alltagsleben pur. Da steht der Besuch der Frau Nachbarin samt Nachbarssohn an der Tagesordnung sowie das Vorbeischauen bei einem alten mürrischen Mann…. Aus den Geschichten entwickeln sich Gespräche. Und nach anfänglicher Unsicherheit „freunden“ sich Eva und Onkel Oliver immer mehr an und verbringen wunderbare, leicht-luftige Tage, die auch einige Überraschungen zu bieten haben.  Eines der besten Bücher, das ich letztes Jahr gelesen habe. Es ist schwierig dieses Buch zu beschreiben, weil es einfach sehr schön ist. Es wirkt sehr entschleunigend in einer Zeit, wo kein...

Zwei Bärinnen von Meir Shalev

Alles beginnt mit einem riesigen Maulbeerbaum, transportiert auf einem von einem mächtigen Ochsen gezogenen Karren, einem Gewehr und dem Nachbarmädchen Ruth als Braut, das die Eltern Sev Tavoris ihm aus der fernen Heimat zur Hochzeit schickten; geschehen in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als Sev sich in einem Dorf im Norden von Israel ansiedelt, um dort eine Gärtnerei zu betreiben. Inzwischen lebt schon die dritte Generation in dieser Gärtnerei, und Sevs Enkelin Ruta berichtet einer Journalistin aus dem Leben ihrer Familie. Wenn sie von ihren eigenen Schicksalsschlägen erzählt, schweift sie immer wieder in die Vergangenheit ab und bringt dabei die erschreckende Wahrheit ans Licht, das große Geheimnis, das sich durch den ganzen Roman zieht. Archaisch und fast alttestamentarisch entwickelt sich aus dem anfänglich idyllischen Beginn eine Verkettung von Ereignissen, die von Eifersucht, Mord und Vergeltung, Verlust und Trauer geprägt sind.  Shalev, e...