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Posts mit dem Label "Historischer Roman" werden angezeigt.

Sing, wilder Vogel, sing von Jacqueline O´Mahony

  Ein Schmöker definiert sich als ein dickerer, inhaltlich weniger anspruchsvoller, aber zugleich fesselnder Roman. Und dieses Buch liest sich ebenfalls wie ein kleiner Schmöker, jedoch mit dem Unterschied, daß es nicht nur spannend ist, zugleich aber ein anspruchsvolles geschichtsträchtiges Thema zum Inhalt hat. Es geht um die Hungersnot 1849 in Irland, ausgelöst durch die Kartoffelfäule und die Landvertreibung des irischen Volkes  durch die englischen Grundherren. Dem irischen Mädchen Honora wird im Leben nichts geschenkt. Von Kind an auf sich allein gestellt und ausgegrenzt, wächst sie in Armut auf. Um nicht zugrunde zu gehen, fährt sie als blinder Passagier mit einem Schiff nach Amerika, wo sie vom Regen in die Traufe kommt, und unter sklavenartigen Umständen als Zimmermädchen schuften muß. Mit ihrer Kollegin flieht sie in den Westen. Dort steckt man sie in ein Bordell, wo sie wie e...

Jeder weiss, dass deine Mutter eine Hexe ist von Rivka Galchen

  In „Jeder weiss, dass deine Mutter eine Hexe ist“ erzählt die Autorin Rivka Galchen von dem historisch belegten Hexenprozess (1615-21) aus der Perspektive der angeklagten Katharina Kepler - der Mutter des Astronomen Johannes Kepler - gemischt mit Dokumenten, Zeugenbefragungen und dem Bericht eines hilfreichen Nachbarn. Über fünf Jahre lang musste sich Katharina Kepler aus Leonberg gegen den Vorwurf verteidigen, sie sei eine Hexe. Zu den damaligen Zeiten war das kein leichter Vorwurf, allein in Europa wurden zu diesen Zeiten mehrere zehntausend Menschen als Hexe zu Tode verurteilt; die meisten von ihnen waren Frauen wie die Keplerin, eigensinnig, scharfzügig und beschlagen in Heilkräuterkunde. Der Prozess nimmt Fahrt auf, als eine Bekannte aus dem Ort, die Glasersfrau Ursula Reinhold, die Keplerin beschuldigt, sie mit einem Hexentrunk vergiftet zu haben. Die Folgen davon sollen sein: Schmerzen und Unfruchtbarkeit. Katharina beschließt, was nur jemand kann, der furchtlos ist: sie ...

Rauch und Schall von Charles Lewinsky

  Wie peinlich, wenn ein Dichterfürst von einer hartnäckigen Schreibblockade heimgesucht wird. Nach seinem Aufenthalt in der Schweiz sitzt Goethe in seinem Haus in Weimar vor dem weißen Schreibpapier und ist verzweifelt. Unterstützung naht, aber in ungewollter Gestalt: Goethes Schwager Christian August Vulpius ist ebenfalls Schriftsteller, doch kann man als Geheimrat Goethe von einem solchen Vielschreiber – Vulpius ist der Autor des auflagenstarken Trivialromans „Rinaldo Rinaldini, der Räuberhauptmann“ – Hilfe annehmen? Ein großer Lesespaß über Literatur und Hochkultur – gut recherchiert, gut geschrieben – und gut erfunden! Zur Bestellung Charles Lewinsky: Rauch und Schall. (Diogenes, € 25,70) ISBN 978-3-257-07259-4

Hochzeit in Wien von Marianne Philips

    Ein Tag im Juni des Jahres 1933. Die Bewohner des Miethauses in der Luftbadgasse gehen ihren Beschäftigungen nach und ahnen noch gar nichts von den kommenden politischen Umwälzungen, die ihre Schatten jedoch bereits vorauswerfen: Der Malermeister Hodl, der fromme Jude Meyer Jonathan, die alternde Operndiva Maria Ritter, dann Rosita, die junge Hauptkassierin des Kaufhauses "Korngross", und der talentierte, aber psychisch labile junge Geiger Paul – für sie alle hat dieser Tag große Folgen. Ausgesprochen kunstvoll komponiert und 1934 mit großem Erfolg veröffentlicht, ist das Buch auch heute ausgenommen lesenswert. Zur Bestellung Marianne Philips: Hochzeit in Wien. Aus dem Niederländischen von Eva Schweikart. (Urachhaus, € 24,70) ISBN 978-3-8251-5369-4  

Lorenz von Ilona Jerger

Eine kenntnisreiche und gleichzeitig unterhaltsame Romanbiographie über den Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz, mit einer jungen Biologiestudentin als Ich-Erzählerin. In der Lebensdarstellung treten auch berühmte Zeitgenossen auf, wie der Dichter Paul Celan oder der Philosoph Martin Heidegger. Lorenz’ Leben macht betroffen in seiner vielschichtigen Widersprüchlichkeit; nicht ausgeblendet wird die Nähe zum Nationalsozialismus, gleichzeitig würdigt die Autorin den Menschen und Wissenschaftler Lorenz und seine Verdienste um die Verhaltensforschung, die Ökologie und die Beziehung zwischen Mensch und Tier. Ilona Jerger: Lorenz. (Piper, € 24,70) ISBN 978-3-492-07253-3 Zur Bestellung

Die rote Herzogin von Svetlana Lavochkina

  Witzig, schockierend, entlarvend und bisweilen degoutant, so ist uns Svetlana Lavochkinas Buch „Puschkins Erben“ in Erinnerung, mit seinen sarkastischen Porträts von Mitgliedern einiger miteinander schicksalhaft durch den gigantischen Staudamm von Zaporoschje verwobenen sowjetischen Familien. Nun liegt die Vorgeschichte in Buchform vor, und wieder sorgt die Autorin für Momente, in denen das Lachen schockartig sofort wieder gefriert: In der Frühzeit der Sowjetunion sollen die gefürchteten Stromschnellen des Dnjepr-Flusses durch ein gigantisches Wasserkraftwerk gezähmt werden. Dafür lässt Stalin den amerikanischen Star-Ingenieur Hugh Winter in die Ukraine kommen. In Winters Haus geht auch die Propaganda-Chefin Darya aus und ein, die aus ehemals hochadeligem Haus stammend die Säuberungen der Revolution überlebt hat und nun die Arbeitsbrigaden der Großbaustelle mit Propaganda versorgt. Insgeheim hat Darya einen Traum: einen Ball mit Tanzmusik, Ballkleid und Diner zu veranstalten. Ei...

Sie haben mich nicht gekriegt von Felix Kucher

  Die Lebenswege der Tina MODOTTI und Marie ROSENBERG. Eine Romanbiographie zweier unterschiedlicher Frauen , die ihr annähernd gemeinsames Geburtsjahr um 1900 und ihren engagierter Kampf gegen den Faschismus gemeinsam haben.   Die berühmte Fotografin Tina Modotti führte ein abenteuerliches Leben. Aus ärmsten norditalienischen Verhältnissen stammend, bricht sie noch in ganz jungen Jahren auf der Suche nach einem besseren Leben Richtung  Amerika auf, hält sich durch kleine Filmrollen in Hollywood über Wasser und wird Model und Schülerin des Starfotografen Edward Weston. Aus einem Partygirl wird eine Revolutionärin und glühende Anhängerin des Kommunismus. Mit Weston geht sie in das politisch unruhige Mexiko, wo sie bis zur Selbstaufgabe für soziale Gerechtigkeit und Gleichberechtigung kämpft. Sie verkehrt in den Kreisen von ...

Judith und Hamnet von Maggie O´Farrell

  Ein Buch über Agnes, die Frau William Shakespeares (1564-1616). Ein geschickter Schachzug: der berühmte William bleibt eher schattenhafte Randfigur.  Virtuos geschrieben entwickelt das Buch einen faszinierenden Sog. Und das, obwohl sich der Aktionsradius der handlungstragenden Agnes über den archaischen elterlichen Bauernhof, dann das Haus des hinterhältig-gewalttätigen Schwiegervaters, ein paar Gassen in Stratford-upon-Avon und den Wald dort nur einmal hinausbewegt – beim finalen London-Besuch. Es baut die Spannung auf durch eine beiläufge (Mit-)Beschreibung des Geschehens auf der Gasse, der Mitbewohner im Haus, dem Fuchs, der durch die Gassen streift, der Eule, die darüber hinweg fliegt etc..  Verdichtet wird das Geschilderte durch Agnes' eigenwillige Wahrnehmungsgaben – sie, das Naturkind, hat von ihrer früh verstorbenen Mutter d...

Tschudi von Mariam Kühsel-Hussaini

"Es ist, als wäre in die Atelierwand ein Loch geschlagen, durch das man plötzlich ins Freie sieht". Ein einziger Satz, der die neue Malerei des Impressionismus definiert, kühn und allumfassend, aus der Feder des Hugo von Tschudi, um die Jahrhundertwende in Berlin. Hugo von Tschudi, der neue Direktor der Nationalgalerie hat Großes im Sinn. Er kann nicht anders, als der Liebe zur neuentdeckten Malerei Raum zu geben und dafür zu brennen. Er füllt die Wände seiner Galerie mit Werken der Franzosen, wie Manet, Monet, Degas, Renoir und Rodin und läßt die pathetischen Gemälde des wihelminischen Historismus im Hintergrund verschwinden. Und Berlin gerät aus den Fugen, sowohl durch Begeisterung als auch durch Hass. Vor allem kommt dieser Hass von ganz oben, von Kaiser Wilhelm dem II., dessen geistiger Horizont nicht über das Mittelmaß herausragt. Der Autorin gelingt in ihrem Roman ein Charakterportrait dieses Mannes, dessen durch Kinderlähmung verkrüpp...

Der Hammer von Dirk Stermann

Joseph von Hammer-Purgstall war einer der wirkmächtigsten Orientalisten der Geschichte. Seine Übersetzungen brachten die literarischen Schätze des Nahen und Mittleren Ostens in die europäischen Bibliotheken und von dort in die ganze Welt. Goethe, tief beeindruckt von Hammer-Purgstalls Übertragungen, schrieb euphorisch in seinem West-östlichen Divan den berühmten Satz „Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen“ Wenn sich ein Autor wie Dirk Stermann der Biographie dieses Giganten widmet, so darf man auf Ironie und liebevoll-schonungslose Zeichnung seines Protagonisten gespannt sein: Als Sohn eines Provinzbeamten wird Joseph Hammer zunächst in Wien zum „Sprachknaben“ und Diplomaten ausgebildet, der bald über die anderen Schüler herausragt und seine Lehrer überflügelt. Doch schon bei seinen ersten Missionen nach Konstantinopel und Ägypten zeigt sich, dass im hierarchischen Beamtenstaat der österreichisch-ungarischen Monarchie Talent nicht alles ist, was zum Vorankommen nöt...

Bella Ciao von Raffaela Romagnola

Nicht nur Neugier treibt Giulia Masca nach Borgo di Dentro, den Ort ihrer Kindheit in Piemont zurück, den sie vor fast 50 Jahren fluchtartig verlassen hatte. Es sind auch die gemischten Gefühle, die sie beschäftigen, falls es zu einer Begegnung mit ihrer Freundin Anita und ihrem Verlobten Pietro kommen sollte. Wird sie den beiden mit Rache, Genugtuung oder Versöhnung begegnen? Niemand wusste damals, als sich Giulia heimlich nach New York einschiffte, nicht einmal ihr Verlobter, der sie mit ihrer Freundin Anita betrog, dass sie ein Kind von ihm erwartete. Nun ist Giulia eine wohlhabende Frau, die sich ihrem vergangenen Leben stellt, das von den Härten als Fabriksarbeiterin in der örtlichen Seidenspinnerei geprägt war, aber auch von der Kargheit des dörflichen Lebens und ihrer Familien. Wie dann durch die beiden Weltkriege, den Faschismus und die Partisanenkämpfe mit diesen Familien umgegangen wurde, wird authentisch und spannend erzählt. Es ist die leidvolle Geschichte von opfe...

Wie man ein Genie tötet von Ingvar Hellsing Lindqvist

Der Wiener Komponist Hans Rott (1858-1884) war fast völlig vergessen, bis 1989 ein amerikanischer Musikwissenschaftler in der Nationalbibliothek in Wien auf die Originalpartitur seiner ersten (und einzigen) Symphonie stieß. Wer war aber dieser junge, mit 26 Jahren verstorbene Ausnahmekünstler Hans Rott? Sein kurzes und tragisches Leben wird von Ingvar Hellsing Lundqvist in seinem romanhaft geschriebenen Buch „Wie man ein Genie tötet“ berührend und mitreißend, aber auch an den Fakten orientiert dargestellt: Der Anhänger von Richard Wagner war ein Meister an der Orgel und ein Ausnahmetalent im Kompositionsfach. Sein Lehrer Anton Bruckner hielt ihn für den begabtesten unter seinen Schülern, sein Studienkollege Gustav Mahler anerkannte Rotts geniales schöpferisches Können und bezog offenbar viel Inspiration von Rotts Schaffen. Heute gilt Mahler als der Schöpfer der „neuen Symphonie“, doch gebührt dieser Titel nicht viel eher dem jungen Rott? Doch Rott hatte von Anfang seines L...

Alligatoren von Deb Spera

Diese Familiensaga aus den Südstaaten Nordamerikas in der Zeit um 1920 nach der Sklavenbefreiung hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt wie selten bei Schmökern dieser Art. In thrillerhaft spannender, aber auch romantisch berührender Erzählweise aus der Sicht zweier Standes unterschiedlicher weißer Frauen und einer Negerin (von der Autorin bewusst so genannt) geht es noch immer um die Kluft zwischen Weiß und Schwarz, den Plantagenbesitzern und ihren ausgebeuteten Feldarbeitern und letztendlich um das damalige Rollenbild zwischen Mann und Frau. Historische Fakten und Fiktion fügen sich authentisch ineinander.  Ein kleiner Wermutstropfen ist die Lektorierung der Übersetzung aus dem Amerikanischen. Z.B. „blöken“ die Kühe auf Seite 142. Und auf Seite 185 liest man : „Er ist zwei Köpfe größer wie sie (!).... und hat zu seiner Mutter herunter geguckt. ….“, um nur einige Formfehler zu erwähnen. Trotz dieser Schönheitsfehler ist es ein guter dick...

Die letzte Stunde von Minette Walters

  "In 12 Tagen hatte die Welt sich bis zur Unkenntlichkeit verändert.."    Südengland, Juli 1348: Der schwarze Tod wütet durch das Land und rafft ganze Landstriche in wenigen Wochen dahin. Hygiene und Quarantäne sind für die meisten Menschen noch Fremdwörter, außer für Lady Anne von Develish, die in einem Kloster aufwuchs und einiges an Heilkunde gelernt hat.  Sie schottet mit Hilfe ihrer Leibeigenen das Anwesen von der Außenwelt ab, in der Hoffnung diese schreckliche Krankheit, von der sie selbst noch nie gehört hat, aussperren zu können.  Doch je mehr Zeit verstreicht, desto mehr spitzt sich die Lage innerhalb der Gemäuer zu, können sie nicht einmal Nachricht von  Außen erhalten. Was ist, wenn die Plage schon vorbei ist? Was passiert, wenn die Nahrung knapp wird? Oder wenn gar ein Mord geschieht .. ? Mit "Die letzte Stunde" ist Minette Walters ein spannender Auftakt zu ihrer neuen und erstmals historischen Buchreihe gelungen. Durch ...

Die Gleichung des Lebens von Norman Ohler

Ein wunderbarer historischer Roman über die Natur. Im Jahr 1747 soll die grüne Auen- und Dschungelzone an der Oder in Brandenburg in fruchtbares Ackerland umgewandelt werden. Friedrich der Große will mit der Regulierung nicht zuletzt auch die aufsässigen wendischen Fischer des Oderbruchs zähmen. Die komplexen Berechnungen werden dem mathematischen Genie Leonhard Euler übertragen. Nachdem ein Ingenieur ermordet wird, gerät Euler immer mehr in die Verstrickungen des gigantischen Projekts und des preußischen Amazoniens. U.R Zur Bestellung Norman Ohler: Die Gleichung des Lebens Verlag: Kiepenheuer & Witsch Eur [A] 22,70 ISBN: 978-3-462-04968-8  

Das Totenschiff von Andreas Pittler

Der junge David lebt in Bukarest und bereitet sich auf die Matura vor, um danach Technik zu studieren. Doch die politischen Ereignisse und antisemitischen Hetzen während der 1940-er Jahre machen seine Zukunftspläne zunichte. Denn auch in Rumänien sehen sich Juden während der Kriegszeit zunehmend mit Gewalt konfrontiert. David findet keinen anderen Ausweg als die Flucht über das Meer. Doch das Schiff, auf dem er mit seiner Verlobten und deren Familie das Land verlässt, erweist sich als Seelenverkäufer. Wochenlang sitzen 800 Flüchtlinge in Istanbul im Hafen fest, ohne dass die Menschen an Land gehen dürfen. Denn die Einreiseerlaubnis nach Palästina wird von den Briten verwehrt ... Andreas Pittler beschreibt gekonnt, einfühlsam und spannend in Briefroman-Form diese tragische historische Geschichte. Ohne darauf explizit hinzuweisen, trifft der Autor das Thema der heutigen Flüchtlingsbewegungen eindringlich. (U.R.) Zur Bestellung   Andreas Pittler: Das Totenschiff Eur [...

Anatomie der Wolken von Lea Singer

Dezember 1809: Geheimrat Goethe ist fast 60 und der berühmteste Schriftsteller seiner Zeit. Durch seine Beschäftigung mit den Naturwissenschaften ist er gleichzeitig das Universalgenie der Klassik schlechthin. Auch wenn sein neuester Roman in den Salons gerade als unmoralisch zerrissen wird ... Caspar David Friedrich hingegen, der Seifensiedersohn ohne Manieren, des Schreibens nur mangelhaft fähig und kommunikationsscheu, kann von seiner Malerei mehr schlecht als recht leben. Einige Jahre zuvor hat Goethe ihm zu einem Preis des Weimarer Kunstwettbewerbs verholfen. Jetzt hat Friedrich ein Gedicht Goethes gemalt und wünscht sich nichts sehnlicher als eine Begegnung mit ihm. Was die beiden verbindet, ist die Leidenschaft zu den Wolken, doch mit völlig verschiedenen Ansätzen. Eine Malerfreundin arrangiert schließlich ein Treffen, doch da prallen Welten aufeinander ... In knappen Sätzen und pointierten Dialogen versteht es Lea Singer wie immer meisterlich, eine Epoche und ihr...

Alles was ich bin von Anna Funder

"Alles, was ich bin" thematisiert den Kreis um den Literaten, linken Vordenker und Politiker Ernst Toller, der 1919 maßgeblich an der Entstehung der kurzlebigen Münchener Räterepublik beteiligt war. Aber nicht Toller selbst steht im Mittelpunkt, obwohl er als einer der Erzähler der Geschichte fungiert, sondern seine engste Mitarbeiterin Dora Fabian, die ihm nach Hitlers Machtergreifung 1933 unter Lebensgefahr das Manuskript seines autobiografischen Werks "Eine Jugend in Deutschland" ins Londoner Exil bringt und von dort aus mit größtmöglichem Einsatz für die in Europa versprengten Flüchtlinge des Nationalsozialismus und für die Aufklärung der Verbrechen im Dritten Reich arbeitet. Ein Kampf gegen einen allgegenwärtigen und unsichtbaren Feind - denn Hitlers Schergen sind auch im Ausland aktiv: Einbrüche in die Wohnung, Einschüchterungsaktionen, fingierte Hausdurchsuchungen, Anstiftung zum Verrat an Freunden und Mordkommandos sollen die Exilgemeinde unter Kontrolle ...

Die Schule der Liebenden von Vivien Shotwell

Im London des späten 18. Jahrhunderts träumt Anna Storace von einer Karriere als Sängerin. Tatsächlich erobert sie bereits als Sechzehnjährige die Opernhäuser Venedigs und Mailands. Als sie aus Liebeskummer nach Wien flüchtet, bezaubert sie Josef II. und den Kaiserhof. Um eine ungewollte Schwangerschaft zu vertuschen, geht sie eine Ehe ein, die sie unglücklich macht. Während eines kaiserlichen Festes begegnet ihr Mozart. Auch er ist von ihrer Stimme bezaubert. Zwischen ihnen entsteht eine tiefe Liebe, von der beide wissen, dass sie nicht gelebt werden kann. Erfüllung findet sie nur in der Musik. Dieser Roman basiert auf einigen wenigen historischen Fakten. Anna Storace hat wirklich gelebt. In der Geschichte taucht sie unter dem Spitznamen Nancy auf. Ob Mozart und Anna ein Liebespaar waren, ist nicht erwiesen, aber in seinen Kompositionen für sie spiegelt sich große Wärme und Zuneigung. Mehr kann man im Nachwort des Buches erfahren. Weil Vivien Shotwell selb...

Was mit dem weißen Wilden geschah von François Garde

Im Jahre 1843 wird der französische Schiffsjunge Narcisse Pelletier von seiner Crew bei einem Landgang an der australischen Ostkünste auf der Suche nach Trinkwasser schlichtwegs vergessen. Nach Tagen der vergeblichen Hoffnung auf die Rückkehr seines Schiffes rettet ihn eine alte Maorifrau vor dem Verdursten. Auf diese Weise wird er zu einem „Robinson“ der anderen Art, verbringt 18 Jahre seines Lebens in der australischen Wildnis mit den Aborigines, passt sich an und wird einer von ihnen. Als ihn schließlich ein Schiff gegen seinen Willen in die Zivilisation zurückbringt, ist er am ganzen Körper tätowiert und seiner Muttersprache nicht mehr mächtig.    Ein französischer Privatforscher bemüht sich um ihn, bringt ihn nach Paris, vereint ihn mit seiner Familie und ist höchst interessiert an seinen Erfahrungen in der Wildnis. Narcisse verweigert seine Aussage mit den Worten „Reden ist wie Sterben“! Narcisse kann sich an das europäische Leben nicht mehr gewöhnen. Eines T...