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Wo die Löwen weinen von Heinrich Steinfest


Inhalt:
Ein von Stuttgart nach München strafversetzter Kommissar, ein von Rachegedanken besessener Stadtforscher und ein österreichischer Archäologe, spezialisiert auf antike Artefakte - was haben diese Leute mit dem umstrittenen Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 zu tun?
Erfrischend unkonventionell ermittelt Kommissar Rosenblüt in einem Fall, der zunächst gar nicht als solcher erscheint, ihn aber von akademischen Kreisen übers türkische Halbwelt-Milieu direkt ins Zentrum der Proteste gegen den Neubau des Stuttgarter Hauptbahnhofs führt.

Unsere Bewertung:
Auch wenn der Untertitel einen Kriminalroman ankündigt, darf man sich vom Stuttgarter Autor mit österreichischen Wurzeln Heinrich Steinfest keine klassische Mord-Aufklärungs-Story, schon gar nicht eine blutrünstige, erwarten. Das Buch ist vielmehr eine gut erzählte Geschichte über den Widerstand Einzelner und der Zivilgesellschaft gegen wirtschaftliche und politische Undurchsichtigkeit. Souverän vermischt der Autor reale Fakten mit skurrilen und auch fantastischen Elementen. Er schreibt pointiert, manchmal böse, mit Menschenkenntnis, Herzensbildung und Humor. Wunderbar die zahlreichen liebevoll gezeichneten Nebenfiguren, darunter ein kurzbeiniger Hund ...

Auch als Einstieg für Steinfest bestens geeignet (für die Rezensentin war´s der erste ...)

Heinrich Steinfest: Wo die Löwen weinen. Verlag Theiss. Euro (A) 20.50.
ISBN 978-3-8062-2423-8

Interessantes Detail am Rande:
Der schon erwähnte Archäologe wird von der Stadtpolitik in geheimer Mission nach Stuttgart gerufen: Er gilt als Spezialist für antike "Maschinen", nachdem er sich jahrelang mit der Erforschung des "Mechanismus von Antikythera", des ältesten erhaltenen Analogrechners, befasst hat.
Den erwähnten Analogrechner gibt es wirklich. Er befindet sich im nationalen Archäologiemuseum in Athen und wird seit seiner Entdeckung Anfang des 20. Jahrhunderts erforscht. Soeben ist "Die Entschlüsselung des Himmels. Der erste Computer - ein 2000 Jahre altes Rätsel wird gelöst" von Jo Marchant bei Rowohlt erschienen, ein Buch, das diese Forschungen packend wie ein Krimi zusammenfasst.

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