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Posts mit dem Label "Russland" werden angezeigt.

Russische Spezialitäten von Dmitrij Kapitelman

    Ein Laden in Leipzig in den 1990er Jahren: Hier kaufen Russen, Weißrussen, Moldawier, Ukrainer die aus ihren Herkunftsländern gewohnten Spezialitäten, hier wird gemeinsam gearbeitet und gefeiert. Dima, der Sohn der ukrainischen Inhaberfamilie, hat hier seine Jugend verbracht, seine Eltern haben russisch-moldawisch-jüdischen Background. Doch nun, seit dem russischen Angriff auf die Ukraine, ist alles anders. Außerdem stellt sich Dimas patente, geliebte Mutter auf die Seite Putins, Argumentieren ist zwecklos. Dima beschließt, ins kriegsgeplagte Kijiw zu fahren … Dmitrij Kapitelman: Russische Spezialitäten. Verlag Hanser. Eur[A] 23,70. ISBN 978-3-446-28247-6  zur Bestellung

Tochter des Geldes von Eveline Hasler

Eveline Hasler bringt in ihrem Werk immer wieder höchst interessante, aber halbvergessene Persönlichkeiten und Themen ans Licht.  Der 1874 geborenen Uhrenfabrikanten-Tochter Mentona Moser, die mit ihrer Schwester Fanny bei ihrer verwitweten und schwerreichen Mutter im Schloss auf der Au am Zürichsee inmitten eines verwilderten Parks aufwächst, ist, so möchte man meinen, nur eine weitere Laufbahn im Schweizer Geldadel vorgezeichnet. Es kommt ganz anders: Von der Mutter nicht nur emotional vernachlässigt, sondern auch finanziell kurzgehalten, macht Mentona in London eine Ausbildung zur Sozialhelferin und arbeitet mit Kindern in Arbeiter-Elendsquartieren. Nach Zürich 1903 zurückgekehrt heiratet sie den Sozialisten Hermann Balsiger, hat mit ihm zwei Kinder. Er verlässt sie, und Mentona, noch immer ohne Geldzuwendung aus ihrem Erbe, versorgt ihre Familie und den chronisch kranken Sohn allein als Sozialarbeiterin und engagiert sich darüber hinaus für die Frauenrechte. Von den...

Die Heimkehrer von Sana Krasikov

  In den 1930-er Jahren zieht die junge New Yorkerin Florence in die Sowjetunion. Nicht aus Begeisterung für den Kommunismus, aber in der Hoffnung, aus dem bürgerlich-familiären Mief in ein selbstbestimmtes Leben in einer modernen Gesellschaft zu gelangen, und vor allem aus Liebe zu einem jungen Russen. Zunächst scheint das Projekt zu gelingen: Florence bekommt eine angesehene Stelle in der Staatsbank, hat einen guten Chef und mit dem Journalisten Leon, einem anderen Exil-Amerikaner, einen guten Lebenspartner. Doch die Schattenseiten des totalitären Staats unter Stalin lassen sich bald nicht mehr verdrängen. Als Florence endlich dem Rat ihrer Familie folgen und das Land wieder verlassen will, lässt Stalin keine Ausländer mehr ausreisen. Was ist los mit der US-Botschaft in Moskau? Florence gerät in das Visier des NKWDs, des gefürchteten Geheimdienstes. All das wird – meisterhaft in Erzählung und Rückblicken verflochten – aus der Sicht von Florence´s Sohn Julian berichtet, der i...

Jakobsleiter von Ljudmila Ulitzkaja

Nach der Revolution ziehen Jakow und Marussja mit ihrer kleinen Familie nach Moskau. Während Marussja der neuen Regierung vertraut, erkennt Jakow bald die Missstände. Unter Stalin wird er nach Sibirien verbannt. Seine Frau lässt sich scheiden, auch der Sohn wendet sich von ihm ab, und seine Enkelin Nora sieht er nur einmal als Kind. Sie, die ein bewegtes Leben führen wird – Bühnenbildnerin, alleinerziehend, georgische Liebschaft – lernt ihren Großvater erst aus seinen Liebesbriefen an die Großmutter kennen. Angeregt durch den Briefwechsel ihrer eigenen Großeltern hat Ljudmila Ulitzkaja einen Roman geschrieben, der die Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert aus unmittelbarer Nähe erzählt. Beim Aufräumen der Wohnung ihrer verstorbenen Großmutter entdeckt Nora einen Weidenkorb voller Briefe und Notizbücher. Um die darin ebenfalls befindlichen Wanzen zu töten, stellt sie den Korb für einige Zeit auf den Winter-frostigen Balkon. Nach Jahrzehnten erst beschließt sie, die Papiere zu sic...

Sie kam aus Mariupol von Natascha Wodin

Schon oft hatte die deutsche Schriftstellerin Natascha Wodin die ukrainisch-russische Herkunft ihrer Mutter und damit ihre eigenen Wurzeln erforschen wollen. Doch über die Jahrzehnte brachten sämtliche Suchanfragen beim Roten Kreuz und anderen Organisationen kein Ergebnis. Zu verwickelt waren die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in der Sowjetunion gewesen, zu tragisch und blutig die ukrainische Geschichte, als dass Natascha Wodin hoffen konnte, Spuren von der Existenz ihrer Familie zu finden. Nur das Ende, das hatte sie miterlebt: Das Unglück der entwurzelten Frau, die, nach Hungersnot und Gewalterfahrung während des Zweiten Weltkriegs von den Nazis als Zwangsarbeiterin nach Deutschland verschleppt, sich als Verfemte und vom Leben Verfluchte sah, und die sich, als Natascha zehn Jahre alt war, im Dorffluss ertränkte. Und dann das: Natascha Wodin gibt 2014 den Namen ihrer Mutter in eine russische Suchmaschine ein und erhält einen Treffer. Und damit den Ausgang...

Betrunkene Bäume von Ada Dorian

Katharina ist von zu Hause ausgezogen und drauf und dran, ihr Abitur zu schmeißen. Der Vater hat kurz zuvor die Familie verlassen und schickt seiner Tochter nur sporadisch eine Postkarte von seiner Männerarbeit in Sibirien, das hat Katharina aus der Bahn geworfen. Ein Bekannter vermittelt ihr eine Absteige und bald darauf auch Pillen, mit deren Verkauf sie die Miete für das Elendsquartier bezahlen soll. Während Katharina immer mehr in den Strudel des Abstiegs gerät, schließt sie Freundschaft mit dem alten Nachbarn Erich, einem pensionierten Wissenschaftler, der seine familiären Sünden mit Einsamkeit und Geringschätzung seiner Kinder bezahlt. Eine innige Beziehung hegt Erich nur zu seinen Forschungsobjekten, den Bäumen. Er ist Experte für das Phänomen der "betrunkenen Bäume", das sind Bäume, die durch den Klimawandel und das Auftauen des Permafrostes in einen Schaukelzustand geraten. So wie Katharina in Schieflage geraten ist. Zudem hat Erich früher in Sibirien geforsch...

Der Lärm der Zeit von Julian Barnes

Julian Barnes lässt den russischen Komponist Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch (1906-1975) in Momenten des Wartens auf sein Leben zurückblicken – auf der Treppe, im Flugzeug, im Auto. Auf der Treppe vor seiner Wohnung, vor dem Lift, wartet er mit gepacktem Koffer im Jahr 1936 mehrere Nächte darauf, dass ihn der Geheimdienst abholt – er will seiner Frau und seinem Kind nicht zumuten, mitanzusehen, wie er neben ihnen aus dem Bett geholt wird. Kurz zuvor hatte Stalin die Vorführung von Schostakowitschs erster Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ bereits während des Stücks verlassen – der Komponist war damit in Ungnade gefallen und muss mit dem Schlimmsten rechnen. In dieser Zeit schreibt er seine berühmte fünfte Symphonie. Im Flugzeug sitzt er und fliegt, von Stalin entsandt, zu einem Kultur- und Wissenschaftskongress für den Weltfrieden nach New York. Wo er in einer Rede, die nicht er geschrieben hat, Strawinsky, den er bewundert (und der im Westen lebt) kritisieren muss. Im Auto, das e...

Der Meteorologe von Olivier Rolin

Der russische Wissenschaftler Alexei Wangenheim baute in den 1920er Jahren das Netz der Wetterstationen der ganzen UdSSR auf. Er tat dies mit großem Einsatz und aus Begeisterung für Lenin und die neue kommunistische Gesellschaft. Umso schlimmer für ihn, als er, wegen angeblicher staatsfeindlicher Verbrechen, seiner Funktionen beraubt und auf die berüchtigten Solowezki-Inseln deportiert wurde. Nach einigen Jahren im GULAG, in denen er mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter nur brieflich verbunden war, wurde Wangenheim 1937 während Stalins "Großem Terror" hingerichtet. Zurückgeblieben sind seine Briefe, die von großer Fassungslosigkeit angesichts der Ereignisse zeugen, samt berührenden Zeichnungen, Rätseln und Lehrbildern, die er für seine Tochter Eleonora daheim machte und die im Buch abgedruckt sind. Olivier Rolin hat Wangenheims tragische Geschichte recherchiert und in diesem Buch erzählt. Und er stellt Fragen, ohne sie zu beantworten: Wie konnte es zu dieser grausi...

Der Winterpalast von Eva Stachniak

Schon wieder so ein historischer „Schmöker“ mit dem üblichen Strickmuster, dachte ich; dann begann ich zu lesen und konnte nicht mehr aufhören: Der Winterpalast in St.Petersburg mit seinen Geheimgängen und –türen ist ein idealer Ort für Intrigen und Machtkämpfe am Zarenhof. Kaiserin Elisabeth, Tochter Peter des Großen, ist Regentin und ohne Nachkommen. Um die Erbfolge zu sichern, holt sie ihren Holsteiner Neffen Peter an den russischen Hof und verheiratet ihn mit Sophie von Anhalt-Zerbst, die als Katharina die Große in die Geschichte eingehen wird. Die Ich-Erzählerin des Romans ist die ebenfalls blutjunge Barbara – genannt Warwara – die nach dem Tod ihrer Eltern als Mündel von Zarin Elisabeth an den Hof kommt und in der Kleiderkammer ein armseliges Leben führt. Bis eines Tages Kanzler Bestuschew ihren Hang zur Verschwiegenheit und ihre Beobachtungsgabe entdeckt. Er bildete sie zur Palastspionin aus. Elisabeth setzte Warwara der jungen Sophie auf die Fe...

Krimkrieg - Der letzte Kreuzzug von Orlando Figes

Der Krimkrieg (1853-1856) war bis 1914 der größte kriegerische Konflikt – zwischen Russland und dem Osmanischen Reich, das von Frankreich und England unterstützt wurde. Er war der erste moderne Krieg, dessen Zerstörungsgewalt von industriellen Technologien (moderne Gewehre und Geschütze, Dampfschiff, Eisenbahn) potenziert wurde und 750.000 Soldaten das Leben kostete. Auf den ersten 300 Seiten wird die politische Macht- und Interessenlage in Europa herausgearbeitet: Russlands Selbstverständnis als Schutzmacht der orthodoxen Ostkirche und des Slawentums, die religiösen Wurzeln des Kriegs (vor allem auch im innerchristlichen Streit zwischen Orthodoxen und Katholiken), der Reformstau im Osmanischen Reich, die europäische Angst vor russischen Expansionsgelüsten. Figes beschreibt auch packend die neue Rolle der (britischen) Presse, die den Beginn „moderner“ Kriegsberichterstattung markiert und den Krieg und sein Grauen zeitnah in die britischen Wohnzimmer brachte – erstmals auch mit Fo...

Die eiskalte Jahreszeit der Liebe von A. D. Miller

Nick, ein junger Wirtschaftsanwalt, lebt in Moskau. Beruflich hat er es geschafft: In der internationalen Anwaltsfirma betreut er die großen Fälle – Finanzierungsverträge für riesige Industrieanlagen und ähnliches. Privat ist er einsam. Bis zu dem Tag, an dem er Mascha kennenlernt. Mascha und ihre Schwester Katja, zwei junge Russinnen, zeigen ihm eine andere Welt. Nick erlebt die Sinnlichkeit der riesigen Stadt, mit ihrem schillernden Nachtleben, mit Datschas, finnischen Bädern, aber auch verarmten Alten, rücksichtslosen Spekulanten und zweifelhaften Transaktionen. Es ist eine Welt, in der sich jeder selbst der Nächste ist. Dabei will er nicht merken, wie er Schritt um Schritt in ein Netz von Schein und falschen Tatsachen verstrickt wird .. (U.R.) A. D. Miller: Die eiskalte Jahreszeit der Liebe Aus dem Englischen von Bernhard Robben S. Fischer Verlag ISBN 978-3-10-049019-3 Eur(A) 19.60

Der Dirigent von Sarah Quigley

Im Herbst 1941 schließen deutsche Truppen die Millionenstadt Leningrad ein. Eine Leidenszeit beginnt, die für viele im Bombenhagel oder mit dem Hunger- und Kältetod endet. Die Kultur-Elite verlässt die Stadt. Nicht so Dmitri Schostakowitsch. Das Genie, das aus dem Geschimpfe von Kollegen und Nachbarinnen Musik komponieren kann, der bald hochgelobte, bald verfemte Staatskünstler, bleibt mit seiner Familie. Nachts hält er Feuerwache, tagsüber komponiert er an der 7. Symphonie, der „Leningrader“. Schliesslich erzwingt die Partei seine Evakuierung. Seine neue Symphonie soll aber in Leningrad aufgeführt werden. Als Dirigent ist der steife, humorlose Karl Eliasberg vorgesehen. Er, der immer abseits des intellektuellen Kreises um Schostakowitsch stand, soll nun mit einer Anzahl ausgehungerter Musiker das Werk aufführen. „Der Dirigent“ ist ein tief bewegender Roman, der sich durch Erzählkunst, Einfühlungsvermögen und die genaue historische Recherche der Autorin auszeichnet. Die ...

Der Schneesturm von Vladimir Sorokin

Eine schier endlose Schlittenfahrt nimmt der Arzt Platon Iljitsch Garin im Namen der Gesundheit auf sich: im Dorf Dolgoje wütet ein Virus. Die Befallenen werden zu Zombies, die aus der Erde hervorbrechen und weitere Menschen infizieren. Um die rettende Vakzine nach Dolgoje zu bringen, lässt sich der pflichtbewusste Garin trotz Schneesturm von dem biederen Fuhrmann Krächz kutschieren. Doch durch Kälte, Achsenbruch, Schneewächten und mangelnde Sicht wird die Reise immer wieder unterbrochen. Der Kult-Autor Vladimir Sorokin entwirft wieder ein utopisches Russland in einer Zeit irgendwann nach der Oktoberrevolution: Garin und Krächz treffen in ihrem von Minipferden gezogenen „Mobil“ auf Zwerge, Riesen und ausgeflippte Drogen-Designer. Nichts Menschliches ist den Einwohnern dieser Fantasy-Welt fremd: es gibt Zärtlichkeit, Liebe, Gewalt, Herrenmenschentum, Dummheit und das treue Verhältnis zwischen dem Kutscher und seinen Zwergenpferdchen. Ein gemütlich-grausames Märchen für ...