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Anatomie der Wolken von Lea Singer


Dezember 1809: Geheimrat Goethe ist fast 60 und der berühmteste Schriftsteller seiner Zeit. Durch seine Beschäftigung mit den Naturwissenschaften ist er gleichzeitig das Universalgenie der Klassik schlechthin. Auch wenn sein neuester Roman in den Salons gerade als unmoralisch zerrissen wird ...

Caspar David Friedrich hingegen, der Seifensiedersohn ohne Manieren, des Schreibens nur mangelhaft fähig und kommunikationsscheu, kann von seiner Malerei mehr schlecht als recht leben. Einige Jahre zuvor hat Goethe ihm zu einem Preis des Weimarer Kunstwettbewerbs verholfen. Jetzt hat Friedrich ein Gedicht Goethes gemalt und wünscht sich nichts sehnlicher als eine Begegnung mit ihm.

Was die beiden verbindet, ist die Leidenschaft zu den Wolken, doch mit völlig verschiedenen Ansätzen. Eine Malerfreundin arrangiert schließlich ein Treffen, doch da prallen Welten aufeinander ...

In knappen Sätzen und pointierten Dialogen versteht es Lea Singer wie immer meisterlich, eine Epoche und ihre Zeitgenossen lebendig werden zu lassen. Die historischen Fakten sind exakt recherchiert, die Geschichte mit Witz und Leichtigkeit erzählt, die Gesellschaft zwischen Weimar und Karlsbad wunderbar portraitiert. Man sieht den grantelnden und mit dem Alter hadernden Goethe und den jungen Fanatiker Friedrich förmlich vor sich ... so könnte es gewesen sein! (Susanne Remmer)

Lea Singer: Anatomie der Wolken
Verlag Hoffmann & Campe
Euro(A) 20,60
ISBN 978-3-455-40519-4


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