Direkt zum Hauptbereich

Der letzte große Trost von Stefan Slupetzky


Der Großvater zählte zu den schlimmsten nationalsozialistischen Verbrechern, die Mutter ist jüdischer Abstammung. David, die Hauptfigur in „Der letzte große Trost“ wächst im Wien der 70-er und 80-er Jahre auf, doch sein Leben nimmt nur mühsam Konturen an. Ist seine Unsicherheit ein Produkt der familiären Zerrissenheit? Nicht nur die österreichischen Verwandten brachen seinerzeit den Kontakt ab, wegen der Ehe des Vaters mit einer Jüdin, auch deren Tante und Onkel in Israel, Holocaust-Überlebende, können ihrer Nichte nicht verzeihen „einen Kowalski“ geheiratet zu haben.

Davids spätere, scheinbare gefestigte Laufbahn als Familienvater und Industriefotograph gerät ins Wanken, als ein Brief aus Tel Aviv ihn veranlasst, das leerstehende Familienhaus in Klosterneuburg aufzusuchen, und er dort ein Tagebuch seines lange verstorbenen Vaters findet. Des Vaters, der immer den Ruhepol der Familie abgab, mit dem er kurz vor seinem Tod einen Kurzurlaub nach Venedig gemacht hatte und endlich ins Gespräch gekommen war. In David brechen verstörende Gedanken auf.

Ein ausgezeichneter Roman, der nach der ersten Hälfte eine andere Wendung nimmt, als man zuvor annimmt. Eine traurige und tröstliche Geschichte, in der die Liebe zum und vom Vater eine bedeutende Rolle einnimmt. (U.R.)

Zur Bestellung
Stefan Slupetzky: Der letzte große Trost
Eur [A] 20,60
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-498-06152-4

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Russische Spezialitäten von Dmitrij Kapitelman

    Ein Laden in Leipzig in den 1990er Jahren: Hier kaufen Russen, Weißrussen, Moldawier, Ukrainer die aus ihren Herkunftsländern gewohnten Spezialitäten, hier wird gemeinsam gearbeitet und gefeiert. Dima, der Sohn der ukrainischen Inhaberfamilie, hat hier seine Jugend verbracht, seine Eltern haben russisch-moldawisch-jüdischen Background. Doch nun, seit dem russischen Angriff auf die Ukraine, ist alles anders. Außerdem stellt sich Dimas patente, geliebte Mutter auf die Seite Putins, Argumentieren ist zwecklos. Dima beschließt, ins kriegsgeplagte Kijiw zu fahren … Dmitrij Kapitelman: Russische Spezialitäten. Verlag Hanser. Eur[A] 23,70. ISBN 978-3-446-28247-6  zur Bestellung

Nullzone von Isabella Straub

  Was haben ein Zukunftsforscher, eine Hausmeisterin und ein Paketzusteller miteinander zu tun? Dr. Gabor Sperling hat sich als Leiter des Institus für Technikfolgenabschätzung gut eingerichtet, aber seine Führungsrolle bekommt Sprünge, nachdem eine Teambuilding-Veranstaltung etwas aus dem Ruder gelaufen ist. Auch um seine Ehe steht es nicht zum Besten, trotzdem hat er sich mit seiner Frau in ein topmodernes Wohnprojekt am Stadtrand eingekauft. Elfi Hrbala ist gewissenhafte Hausmeisterin im benachbarten, etwas heruntergekommenen Hochhaus. Sie achtet streng auf die Einhaltung der Hausordnung und lebt ansonsten recht zurückgezogen. Als das Hochhaus durch die Baustelle Schieflage bekommt und abgerissen werden soll, organisiert sie eine Protestveranstaltung, die einiges in Gang setzt. Rashid Ayoub lebt ebenfalls im Hochhaus, arbeitet als Paketzusteller, möchte seine große Liebe zurückerobern und träumt von einer Karriere als Unternehmer. Als er in einer TV-Show auftritt, ...

Für immer von Maja Lunde

    Was für ein Geschenk! Die schwer krebskranke Jenny, eine ehemalige Kriegsfotografin, erfährt, dass die Zeit aufgehört hat zu fließen. Zwar wirkt alles normal, die Menschen leben ihr gewohntes Leben weiter, doch gibt es kein Altern und keinen Tod. Bestattungsunternehmen und Geburtsstationen sind arbeitslos. Doch der „Stillstand“ bringt die Gesellschaft bald an ihre Grenzen. Es gibt Solidaritätskundgebungen und Gegendemonstrationen; Verschwörungserzählungen sprießen. Mit ihrer Kamera macht Jenny sich auf, die Menschen und den geheimnisvollen „Stillstand“ zu ergründen …   Maja Lunde: Für immer. Verlag btb. Eur[A] 24,70. ISBN 978-3-442-76278-1 zur Bestellung