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Posts

Grundlsee von Gustav Ernst

Eine Familie wie aus dem Bilderbuch: Ein Ehepaar aus Wien und die drei Kinder John, Bella und Lili, verbringen ihre Sommerferien jedes Jahr im Ferienhaus im idyllischen Ausseerland am Grundlsee. Wie in jeder Familie gibt es Diskussionen zwischen den Eltern und die üblichen Streitereien zwischen den Geschwistern, aber „wenn wir gestorben sind, liegen wir alle im selben Grab, oder?“, und die Knochen „die liegen nebeneinander und haben sich sehr lieb.“ Doch als John, Bella und Lili erwachsen sind, fällt die Familie nach und nach auseinander, und die Knochen werden einander nie wieder finden … Ein realistisch-phantastischer Roman, schaurig-schön und von herrlich dichter Sprache. (U.R.) Gustav Ernst: Grundlsee Haymon Verlag ISBN 978-3-7099-7045-4 Eur(A) 17.90

Das Leuchten in der Ferne von Linus Reichlin

Der Kriegsreporter Moritz Martens steckt in einer Lebenskrise. Seine Ehe ist gescheitert, seine Affairen nicht von Dauer und beruflich geht es mit ihm bergab. Da tritt Miriam in sein Leben, die ihm von einer jungen Afghanin berichtet, die als Junge verkleidet mit einer Taliban-Gruppe in den Bergen lebe. Das Mädchen, das seine Enttarnung fürchte, sei bereit, einem Journalisten für 10.000.- Dollar ein Interview zu geben. Markus kann seinen Chef überreden, ihn mit dieser Geschichte zu betrauen. Aber schon auf dem Flug nach Afghanistan bezweifelt Martens ihre Echtheit. Und das zu recht. Anstatt dieses Mädchen zu interviewen, gerät er in die Verwicklungen einer afghanischen Familiengeschichte hoch oben in den Bergen und in die Gewalt der Taliban. Als Geisel teilt Martens monatelang mit diesen Menschen die Mühsal dieses Lebens und lernt dabei ihre Philosophie der Brutalität kennen. Zugleich aber erliegt er auch der Faszination der zerklüfteten, rauen und einsamen Bergwelt Afghanista...

Die Wende - Wie die Renaissance begann von Stephen Greenblatt

Was in Umberto Ecos Roman "Der Name der Rose" im Inferno endet, nimmt im Sachbuch von Stephen Greenblatt einen günstigen Ausgang: Die Wiederentdeckung eines subversiven und hochbrisanten Buchs aus der klassischen Antike: Es waren die Klöster, die während des Mittelalters die großen literarischen Werke der klassischen Antike bewahrten. In schwer zugänglichen Bibliotheken überdauerten die seltenen Manuskripte vergessen oder auch verfemt die Zeiten. Ab dem 14. Jahrhundert durchsuchten die Humanisten im Gefolge von Petrarca systematisch die Klosterbibliotheken nach antiken Texten. Zahlreiche Autoren der Antike wurden bekannt und mit ihnen lange vergessene Texte und Weisheiten, die nicht zuletzt die Kirche verdammt oder unter Verschluss gehalten hatte. Einer dieser Buch-Entdecker war Poggio Bracciolini, ein aus kleinen Verhältnissen stammender Gelehrter, der sich durch Intelligenz, Fleiss und eine bestechend schöne Handschrift zum apostolischen Sekretär des Papstes hochgea...

Rosalie Blum von Camille Jourdy

Da sind: - Vincent, der schüchterne Friseur, der in seiner Freizeit mit seinem Cousin Modelle baut, während dieser ihn mit seinen Frauengeschichten nervt und mit freizügigen Frauenfiguren seine Bootsmodelle belebt. - Vincents Besitz ergreifende, boshafte Mutter, die sich ihre Welt in einem Puppen-Panoptikum zurechtinszeniert. - Die geheimnisvolle, traurige Rosalie Blum, die Vincent rätselhaft bekannt vorkommt: Er beginnt, ihr hinterher zu spionieren. - Deren in den Tag hinein lebende Nichte samt ihren WG-Genossinnen, in deren Langeweile Vincents merkwürdiges Verhalten willkommene Nahrung für lustvoll schaurige Schreckensphantasien ist: Sie beginnen nun ihrerseits ihn auszuspionieren. - Mittendrin der „Mitbewohner“, wie ihn alle nennen, weil er auch zur WG gehört und dort zwar geldlos aber ideenreich mit seinen Tüfteleien an genialen Geschäftsideen, wie einem Variete als einer Mischung aus Burlesque und Circus tüftelt und damit immer wieder für Überraschungen sorgt. Dieser C...

Krimkrieg - Der letzte Kreuzzug von Orlando Figes

Der Krimkrieg (1853-1856) war bis 1914 der größte kriegerische Konflikt – zwischen Russland und dem Osmanischen Reich, das von Frankreich und England unterstützt wurde. Er war der erste moderne Krieg, dessen Zerstörungsgewalt von industriellen Technologien (moderne Gewehre und Geschütze, Dampfschiff, Eisenbahn) potenziert wurde und 750.000 Soldaten das Leben kostete. Auf den ersten 300 Seiten wird die politische Macht- und Interessenlage in Europa herausgearbeitet: Russlands Selbstverständnis als Schutzmacht der orthodoxen Ostkirche und des Slawentums, die religiösen Wurzeln des Kriegs (vor allem auch im innerchristlichen Streit zwischen Orthodoxen und Katholiken), der Reformstau im Osmanischen Reich, die europäische Angst vor russischen Expansionsgelüsten. Figes beschreibt auch packend die neue Rolle der (britischen) Presse, die den Beginn „moderner“ Kriegsberichterstattung markiert und den Krieg und sein Grauen zeitnah in die britischen Wohnzimmer brachte – erstmals auch mit Fo...

Die Chefin verzichtet. Texte 2009 - 2012 von Max Goldt

„Die Deutschen gaben 2009 dreimal soviel für Wellensittiche aus wie für Bildung? Das glaube ich nicht! Ach so, Sie sagten Wellness!“ Der Autor unterwirft in kurzen Kapiteln unsere Gesellschaft einer kritischen Betrachtung und zeichnet eine Satire, die ihresgleichen sucht. Medien und Kleinbürgertum werden genauso wenig verschont wie Sprachkritiker und die angesehensten Mitglieder unserer Gesellschaft – die Politiker. Tierliebhaber kommen ebenso auf ihre Kosten wie das neue Künstlertum und die Internetgeneration. Karikiert werden Endlos-Shopper und Callcenter-Mitarbeiter. „Mein Lebensmotto? Was soll ich mit einem Lebensmotto? Nur Idioten haben ein Lebensmotto. Aber bitte, wenn Sie darauf bestehen...Hier also mein Lebensmotto: Man muß den Russischen Zupfkuchen zupfen, solange er sich zupfen lässt!" Max Goldt: Die Chefin verzichtet. Texte 2009 – 2012 Rowohlt Berlin 2012 978-3-87134-751-1 €[A] 18,50

Das dreizehnte Kapitel von Martin Walser

Ein Mann trifft eine Frau, die ihn derart in ihren Bann zieht, dass er nicht anders kann, als ihr Briefe zu schreiben, Seine Texte bewegen sie auf solche Weise, dass sie ihm auch antworten muss. Der Beginn einer zarten Liebesgeschichte? Mitnichten, denn beide leben in glücklichen Beziehungen. Ein sensibler Briefroman über die Aussichtslosigkeit einer aufkommenden Liebe, die zu dem Schrecklichsten werden muss, das sie werden kann: einer Freundschaft. Man spricht über Themen, die man dem eigenen Partner nicht erzählen kann, mit einem Gegenüber, das über die kleinsten Sorgen des Alltags und die Probleme mit dem Ehepartner hinwegtröstet. Dieses Werk braucht keine großangelegten Werbekampagnen, es besticht durch Stille und Reflexion - man wird es nicht aus der Hand legen. Martin Walser: Das dreizehnte Kapitel Rowohlt ISBN 978-3-498-07382-4 € [A] 20,60