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Posts

Die Elbe von Uwe Rada

Die Elbe, jahrzehntelang Teil der Grenze zwischen BRD und DDR und Schicksalsfluss für so viele, ist heute ein Naturparadies. Im tschechischen Riesengebirge entspringend, verbindet sie über den Hamburger Hafen Mitteleuropa mit dem Rest der Welt. Dazwischen liegen historisch bedeutende Orte: Königgrätz, Theresienstadt, Usti nad Labem, Dresden, Wittenberg, Magdeburg. Uwe Rada beschreibt höchst lebendig und mit großem Horizont und Gegenwartsbezug die Landschaften und Orten und macht die komplexe Geschichte der Region fassbar: Der Gigantenkampf zwischen Sachsen und Preußen, die Religionskriege, die Metallzäune und Todesschüsse im 20. Jahrhundert, die uneinnehmbare Festung Theresienstadt, gegründet von Joseph II., und ihre Geschichte als KZ unter den Nazis im Dritten Reich, Dessau und das Bauhaus, die Vertreibung der Deutschen 1946 aus Usti nad Labem, der Kampf ums Wasser und um die Vorherrschaft bei Hamburg und vieles mehr. Die Elbe ist ein tschechischer und deutsche...

Scherben von Ismet Prcic

In Kalifornien sitzt der junge Bosnier Ismet und fürchtet, den Verstand zu verlieren. Als Therapie schreibt er seine Erinnerungen an sein früheres Leben auf. Ismet beschreibt seine Kindheit und Jugend im Tuzla der 80er und 90er Jahre, wie sich die Kriegsgefahr langsam steigert, bis es zur Katastrophe und den Bombardements kommt. Dann soll Ismet, der feinfühlige Star der Theatergruppe von Tuzla, eingezogen werden. Doch während eines Gastspiels in Schottland springt er von der Truppe ab. Er lässt seine Liebe zurück, seine Familie, sein Land, seine Selbstachtung und sein seelisches Gleichgewicht. Und wie ein innerer Zwilling taucht in seinen Aufzeichnungen Mustafa auf. Mustafa, der die Greuel des Krieges persönlich und hautnah erlebt hat, bei der Sondereinheit der Apachen, mit den Himmelfahrtskommandos, wo jeder erst einen Namen bekommt, wenn er die ersten beiden Wochen überlebt hat. Ein aufwühlendes und unter die Haut gehendes Buch über den Krieg am Balkan. Zum Teil sind die ver...

Zu Gast in der geheimen Schnatterei von Bianca Gusenbauer

Haben Sie schon von der Geheimen Schnatterei gehört? Dort kann man ganz fantastisch essen, in schönem Ambiente und in sympathischer Gesellschaft, aber nur mit einer persönlichen Einladung der Köchin und wenn sich Gastgeber finden, die ihre Wohnung für einen Abend als "Lokal" zur Verfügung stellen. Zum Glück hat Bianca Gusenbauer jetzt ein Kochbuch herausgegeben, in dem sie Einblick in ihr Konzept gibt und zwölf 4-gängige Menüs zum Nachkochen, passend zur Jahreszeit, präsentiert: fantasievolle Rezepte mit teils orientalischem Einschlag, abgestimmt auf saisonale heimische Produkte, vieles vegetarisch (Fleisch nur für den Hauptgang). Die Rezepte eignen sich für kleine wie große Gästezahlen, sind aber auch alltagstauglich, größtenteils verblüffend einfach zu kochen, und trotzdem raffiniert. Sehr hilfreich die Ablaufplanung und Einkaufsliste, wenn man ein komplettes Menü servieren will. Das Buch ist im Eigenverlag erschienen und optisch so ansprechend gestal...

Sag ja zu Österreich von Fabian Faltin

Einmal Berlin und wieder zurück. Drei österreichische Studenten bilden die Kernbesetzung einer Berliner WG: Jakob, der halbgare Grafikdesigner, Conny, Wirtstochter aus dem tiefen Tullnerfeld, die sich als Singer-Songwriterin versucht, und Ralf, der Adelsspross mit familiären Verbindungen in sämtliche europäische Finanz- und Stiftungshäuser und einem Badehaus am Traunsee. Nach drei Jahren wildem und unabhängigem Highlife an der Spree kehren alle wieder nach Österreich zurück und verwickeln sich im vorprogrammierten Kulturschock ... Eine ironisch-liebevoll-abgründige Abrechnung mit Österreich und seinen kulturellen und sozialen Biotopen. Viele Anspielungen auf unsere alte und neue Geschichte mit ihren Promis und Skandalen, von Slatin Pascha bis zur EM 2008. Gescheit, vergnüglich, gut geschrieben und sehr empfehlenswert! Für alle, die Stermann, "Sechs Österreicher unter den ersten fünf" mögen! (U.R.) Am 25. April 2013 war Fabian Faltin bei uns in der Buchhandlung Leo zu...

Grundlsee von Gustav Ernst

Eine Familie wie aus dem Bilderbuch: Ein Ehepaar aus Wien und die drei Kinder John, Bella und Lili, verbringen ihre Sommerferien jedes Jahr im Ferienhaus im idyllischen Ausseerland am Grundlsee. Wie in jeder Familie gibt es Diskussionen zwischen den Eltern und die üblichen Streitereien zwischen den Geschwistern, aber „wenn wir gestorben sind, liegen wir alle im selben Grab, oder?“, und die Knochen „die liegen nebeneinander und haben sich sehr lieb.“ Doch als John, Bella und Lili erwachsen sind, fällt die Familie nach und nach auseinander, und die Knochen werden einander nie wieder finden … Ein realistisch-phantastischer Roman, schaurig-schön und von herrlich dichter Sprache. (U.R.) Gustav Ernst: Grundlsee Haymon Verlag ISBN 978-3-7099-7045-4 Eur(A) 17.90

Das Leuchten in der Ferne von Linus Reichlin

Der Kriegsreporter Moritz Martens steckt in einer Lebenskrise. Seine Ehe ist gescheitert, seine Affairen nicht von Dauer und beruflich geht es mit ihm bergab. Da tritt Miriam in sein Leben, die ihm von einer jungen Afghanin berichtet, die als Junge verkleidet mit einer Taliban-Gruppe in den Bergen lebe. Das Mädchen, das seine Enttarnung fürchte, sei bereit, einem Journalisten für 10.000.- Dollar ein Interview zu geben. Markus kann seinen Chef überreden, ihn mit dieser Geschichte zu betrauen. Aber schon auf dem Flug nach Afghanistan bezweifelt Martens ihre Echtheit. Und das zu recht. Anstatt dieses Mädchen zu interviewen, gerät er in die Verwicklungen einer afghanischen Familiengeschichte hoch oben in den Bergen und in die Gewalt der Taliban. Als Geisel teilt Martens monatelang mit diesen Menschen die Mühsal dieses Lebens und lernt dabei ihre Philosophie der Brutalität kennen. Zugleich aber erliegt er auch der Faszination der zerklüfteten, rauen und einsamen Bergwelt Afghanista...

Die Wende - Wie die Renaissance begann von Stephen Greenblatt

Was in Umberto Ecos Roman "Der Name der Rose" im Inferno endet, nimmt im Sachbuch von Stephen Greenblatt einen günstigen Ausgang: Die Wiederentdeckung eines subversiven und hochbrisanten Buchs aus der klassischen Antike: Es waren die Klöster, die während des Mittelalters die großen literarischen Werke der klassischen Antike bewahrten. In schwer zugänglichen Bibliotheken überdauerten die seltenen Manuskripte vergessen oder auch verfemt die Zeiten. Ab dem 14. Jahrhundert durchsuchten die Humanisten im Gefolge von Petrarca systematisch die Klosterbibliotheken nach antiken Texten. Zahlreiche Autoren der Antike wurden bekannt und mit ihnen lange vergessene Texte und Weisheiten, die nicht zuletzt die Kirche verdammt oder unter Verschluss gehalten hatte. Einer dieser Buch-Entdecker war Poggio Bracciolini, ein aus kleinen Verhältnissen stammender Gelehrter, der sich durch Intelligenz, Fleiss und eine bestechend schöne Handschrift zum apostolischen Sekretär des Papstes hochgea...