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Posts

Der Hammer von Dirk Stermann

Joseph von Hammer-Purgstall war einer der wirkmächtigsten Orientalisten der Geschichte. Seine Übersetzungen brachten die literarischen Schätze des Nahen und Mittleren Ostens in die europäischen Bibliotheken und von dort in die ganze Welt. Goethe, tief beeindruckt von Hammer-Purgstalls Übertragungen, schrieb euphorisch in seinem West-östlichen Divan den berühmten Satz „Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen“ Wenn sich ein Autor wie Dirk Stermann der Biographie dieses Giganten widmet, so darf man auf Ironie und liebevoll-schonungslose Zeichnung seines Protagonisten gespannt sein: Als Sohn eines Provinzbeamten wird Joseph Hammer zunächst in Wien zum „Sprachknaben“ und Diplomaten ausgebildet, der bald über die anderen Schüler herausragt und seine Lehrer überflügelt. Doch schon bei seinen ersten Missionen nach Konstantinopel und Ägypten zeigt sich, dass im hierarchischen Beamtenstaat der österreichisch-ungarischen Monarchie Talent nicht alles ist, was zum Vorankommen nöt...

Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte von Dita Zipfel

Als Lucie ihren neuen Job als Hundesitterin bei dem alten Herrn Klinge antritt, merkt sie schnell, dass dieser alles hat - nur keinen Hund. (wahrscheinlich eher einen Vogel) Anstatt Gassi zu gehen, soll sie seine Ghostwriterin für ein eigenartiges Kochbuch werden. Die Gemüserezepte (Tomaten sind Drachenherzen?!) sind streng geheim und angeblich Zauberrezepte. Die 13jährige Lucie würde ja vielleicht darüber nachdenken, nicht für einen Verrückten zu arbeiten, aber sie braucht das Geld dringend. Immerhin ist Michi, der neue unsympathische Freund ihrer Mutter, gerade dabei, bei ihr zu Hause einzuziehen und das möchte sie nicht mehr live erleben. Sie hat andere Pläne! Aber vielleicht probiert sie vorher doch noch Herrn Klinges Liebestrank aus... "Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte" ist ein unterhaltsamer, aber auch mit klugen Gedanken geschmückter und gut geschriebener Jugendroman. Die Illustrationen von Rán Flygenring passen wunderbar zu der Geschichte und sind beim Le...

Skim von Jillian und Mariko Tamaki

Skim ist 16 und angehende Wicca-Hexe. An der privaten Mädchenschule, die sie besucht, fühlt sie sich fremd, und selbst ihre beste Freundin Lisa nervt sie. Als der Exfreund einer Klassenkameradin sich das Leben nimmt, bricht an der Schule der Bewältigungs- und Präventionswahnsinn aus. Nichts, was sie etwas angehe, findet Skim, die in ihrem ganz persönlichen Gefühlschaos steckt, seit sie sich nach der Schule heimlich mit ihrer Neo-Hippie-Englischlehrerin Miss Archer trifft. In diesen verwirrenden Zeiten ist Skims Tagebuch ihr treuester Begleiter… Sexuelle Identität, Liebe, Depression, Cliquendrama und Gruppenzwang – „Skim“ beschreibt das Teenagerdasein in all seiner Komplexität und gewährt einen authentischen Einblick in die Welt und den Herzschmerz einer Sechzehnjährigen. (Inhaltsangabe Reprodukt Verlagsseite) Wieder mal haben mich die atmosphärischen Zeichnungen von Jilllian Tamaki ( Ein Sommer Am See ) in den Bann gezogen! Gemeinsam mit der Autorin und Filmemacheri...

Der große Garten von Lola Randl

Auf Empfehlung ihres Psychoanalytikers, ein Gartenbuch zu schreiben, zieht die Autorin zur Mutter, einer Gartenarchitektin, aufs Land. Mit dem Notizbuch in der Hand fragt sie ihre Mutter, ob der Same einer Pflanze das sei, was beim Menschen der Embryo ist. Und die Mutter schüttelt über das Vorhaben ihrer Tochter nur den Kopf. Diese lässt sich jedoch nicht beirren und füllt ihr Notizbuch mit ihren täglichen laienhaften Beobachtungen, Ihre kleinen Skizzen zu gärtnerischen Gedanken ufern aus. Immerhin muss sie sich auch mit Mann und Kind, einem Liebhaber, neugierigen Nachbarn, hinzu gereisten Weltverbesserern und Geschäftemachern aus der Großstadt auseinandersetzen. So spannt sich der Bogen ihrer Gedanken über gärtnerische Übungen hin zum ,,Großen Garten" aller Kreatur am Beispiel dieses Brandenburgischen Dorfes. Als Kostprobe hier das Kapitel über die Midlife-Crisis auf Seite 95 als eines von vielen Schmunzelerlebnissen: ,,Midlife-Crisis meint den psychischen Zustand der...

Der Untergang der Welt von gestern von Arne Karsten

Arthur Schnitzler erlebt die letzten Jahre der k.u.k. Monarchie. Der Historiker Arne Karsten hat die Tagebücher des Schriftstellers mit dessen Bemerkungen zu aktuellen Ereignissen ausgewertet und bietet ein äußerst vielschichtiges und differenziertes Bild des Untergangs. Er erzählt von der Vorgeschichte des ersten Weltkrieg, den politischen Krisen auf dem Balkan, der fatalen Bosnien-Annexion, dem Säbelrasseln der europäischen Mächte, den erstarkenden nationalistischen Strömungen. Und er stellt die teils verzweifelten, teils halbherzigen Versuche dar, den Vielvölkerstaat der Donaumonarchie zu erhalten, Bemühungen, die wegen Arroganz, Dummheit und Erstarrung der Herrschenden aber auch vieler anderer Umstände zum Scheitern verurteilt waren. Schnitzler schwimmt geistig meist gegen den Strom. Die anfängliche Kriegsbegeisterung der allermeisten teilt er ebensowenig wie die verbreiteten Bestrebungen am Ende, die Habsburger-Herrschaft zu zerstören. All das wird kontrastiert mit Schnitz...

Tochter des Geldes von Eveline Hasler

Eveline Hasler bringt in ihrem Werk immer wieder höchst interessante, aber halbvergessene Persönlichkeiten und Themen ans Licht.  Der 1874 geborenen Uhrenfabrikanten-Tochter Mentona Moser, die mit ihrer Schwester Fanny bei ihrer verwitweten und schwerreichen Mutter im Schloss auf der Au am Zürichsee inmitten eines verwilderten Parks aufwächst, ist, so möchte man meinen, nur eine weitere Laufbahn im Schweizer Geldadel vorgezeichnet. Es kommt ganz anders: Von der Mutter nicht nur emotional vernachlässigt, sondern auch finanziell kurzgehalten, macht Mentona in London eine Ausbildung zur Sozialhelferin und arbeitet mit Kindern in Arbeiter-Elendsquartieren. Nach Zürich 1903 zurückgekehrt heiratet sie den Sozialisten Hermann Balsiger, hat mit ihm zwei Kinder. Er verlässt sie, und Mentona, noch immer ohne Geldzuwendung aus ihrem Erbe, versorgt ihre Familie und den chronisch kranken Sohn allein als Sozialarbeiterin und engagiert sich darüber hinaus für die Frauenrechte. Von den...

Alte Sorten von Ewald Arenz

Das Schicksal will es, dass zwei unterschiedliche Frauen aufeinander treffen. Da ist Sally, die kurz vor dem Abitur steht, und aus der Klinik, in der ihre Essstörungen behandelt werden sollen, reißaus nimmt. Frustriert und seelisch aus dem Gleichgewicht spricht sie die Wutsprache der unverstandenen Jugendlichen. Und da ist ist Liss, eine reife Frau, die auf sich gestellt, ohne Hilfe ihren Hof bewirtschaftet. Liss stellt dem Mädchen keine Fragen und bietet Sally Quartier für eine Nacht an. Aus einer Nacht werden Wochen, und Liss lässt dem Mädchen Zeit, zur Ruhe zu kommen. Doch langsam bringt sie Sally dazu, ihr bei der Arbeit zur Hand zu gehen, sei es beim Holz machen oder auf dem Feld. Einmal zeigt Liss ihr den verwilderten Obstgarten mit den alten Birnensorten, die so köstlich schmecken. Da wird Sally bewusst, dass der Obstgarten ein Geheimnis birgt und auch Liss eine geheimnisvolle Vergangenheit hat. Die vielen Ungereimtheiten im Leben von Lizz lassen Sally keine Ruhe, und sie b...